Vorräte und Warenbestand in der Bilanz

Was gehört zu dem Warenbestand in einer Bilanz und zu welchem Wert

Gedanken am 31.12.2019 vom Counselor Ralph J. Schnaars, Steuerberater Norderstedt

Steuerberater zu Warenbestand in Bilanz
 
Die Position Vorräte und Warenbestand ist eine der spannendsten Positionen in einer Bilanz. Ausgewiesen werden hier, unter den AKTIVA einer Bilanz, die vorhandenen Bestände am Bilanzstichtag, die das Unternehmen für die Erzielung seiner Umsätze benötigt.
 
Je nach Branche können hier Rohstoffe,  Hilfsstoffe und Betriebsstoffe, unfertige Waren, unfertige Leistungen, aber auch Handelswaren und fertige Leistungen ausgewiesen sein.
 
Die im Bestand befindlichen Gegenstände oder Leistungen hat das Unternehmen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr entweder angeschafft, selbst weiter veredelt oder in seinem Lager liegen, um sie für spätere Produktionsprozesse zu verwenden.
Man muss hier nun jeden Vorgang - je nach Branche – betrachten, ob es sich um einen Vorratsgegenstand handelt oder ob es laufende Betriebsausgabe oder Anlagevermögen oder ein sonstiger Vermögensgegenstand ist.
 
Sehr einfach kann man sich dies vorstellen, wenn ein Maschinenbau-Unternehmer Rohstoffe in Form von Metallen und Stahlrohren am Lager liegen hat, um daraus später Maschinen herzustellen. Und genau so einfach kann man sich vorstellen, dass in einem Handelsunternehmen zum Bilanzstichtag verschiedene Waren im Lager oder im Verkaufsbereich des Unternehmens vorhanden sind. Die Positionen die unter Vorräten und Warenbestand auszuweisen sind, betreffen allesamt das laufende Geschäft des Unternehmens und haben immer mit Kundenumsätzen zu tun.
 
Als Beispiel dient die vom Handelshaus eingekaufte Jeanshose, die am Jahresende noch nicht verkauft war und noch im Lager befindlich ist.
 
Während der Inventur wird diese Jeans gezählt. Sie läuft mit der Menge 1 in das Inventurergebnis ein und wird zum Bilanzstichtag mit ihrem Wert in die Bilanz eingehen.
 
 
Der maximale Wert im Umlaufvermögen ist - bedingt durch das Niederstwertprinzip - der Betrag der Anschaffungskosten oder ein geringerer beizulegender Wert zum Bilanzstichtag.
 
Ein geringerer Wert kann zum Beispiel angenommen werden, wenn für diesen Gegenstand Unverkäuflichkeit festgestellt wurde. Auch kann es sich um zu teuer eingekaufte Gegenstände handeln, die nicht mit dem Einkaufspreis zu bewerten sind.
 
Die Bewertung der unfertigen Leistungen und der unfertigen Waren ist allerdings schon schwieriger, da es sich hier nicht nur um die Addition der verwendeten Rohmaterialien, sondern auch um die auf diese Waren entfallenden Gemeinkosten des Unternehmens handelt. Mit welchem Wert die unfertigen Waren zu bewerten sind, ist in der Regel abhängig von ihrem Fertigstellungsgrad, sodass zum Beispiel für ein Kraftfahrzeug, an dem nur noch die Montage der Außenspiegel fehlt, nahezu neunzig oder sogar mehr Prozent des Herstellungswertes angenommen werden kann.
 
Ebenso wäre es aber denkbar, dass in einem EDV Unternehmen programmierte Softwareanwendungen nur mit einem Wert von zum Beispiel 5 % des Einstandspreises zu bewerten sind, solange nicht ein Test der Lauffähigkeit der produzierten Software vorgenommen wurde.
 
Aber auch diese Überlegungen zum Vorratsvermögen sind bei jedem einzelnen Unternehmen neu und einzeln anzustellen, da sich die Bewertung und auch die Feststellung der Menge der vorhandenen Vorräte und Warenbestände je nach Branche und auch je nach Unternehmen unterschiedlich darstellt.
 
So ist zum Beispiel das in einer Einzelbäckerei vorhandene Mehl mit Sicherheit anders zu betrachten als der Mehlvorrat einer Großbäckerei, die im Versand tätig ist. Und auch hier sind die unfertigen Produkte und unfertigen Leistungen jeweils anders zu betrachten. Zwar wird die Bewertung nach den gleichen Rechenschemata zu berechnen sein, aber die anschließende Bewertung des rechnerisch ermittelten Wertes, kann nach Berücksichtigung der Verkaufbarkeit der Waren und Leistungen doch deutlich unterschiedlich ausfallen.
 
Um den in der Bilanz auszuweisenden Betrag zu ermitteln, sind üblicherweise folgende Arbeitsschritte notwendig:
 
Inventur – Zählung der vorhandenen Bestände und Bestimmung der vorhandenen Menge
 
Wertberechnung – Berechnung der Euro-Werte für die vorhandenen Bestände
 
Bewertung – Bewertung der einzelnen Waren und Leistungen zum Beispiel unter Betrachtung der jeweiligen Verkaufbarkeit
 
Beispiel:
So kann die Zählung (Inventur) zwar eine vorhandene Menge von 50 ergeben und die Wertberechnung einen Euro-Wert von 1.500 Euro ermitteln, dennoch werden die Tannenbäume, die nicht verkauft wurden, nach der Bewertung nur mit einem Wert von 0 Euro in die Bilanz (zum 31. Dezember) eingehen, da eine Verkaufbarkeit nicht mehr gegeben ist.
 
Im Folgenden finden Sie ein paar Bemerkungen, Beispiele und Berechnungshinweise zu einzelnen Positionen der Vorräte bzw. des Warenbestands oder Sie besprechen diese Thematik in einem Beratungstermin:
 
Unter Rohstoffen versteht man das Rohmaterial, aus dem später das fertige Produkt produziert wird. Zum Beispiel das Mehl beim Bäcker.
Unter Hilfsstoffen kann man sich Kleinteile und Materialien vorstellen, die das Unternehmen benötigt, um das Verkaufsprodukt fertigstellen zu können. Beim Handwerker im Bereich Sanitär wären das zum Beispiel die Dichtungskleber und Dichtungsmaterialien. Beim Goldschmied ist es beispielsweise der Lötdraht.
Betriebsstoffe benötigt das Unternehmen, um für den Kunden die Ware oder die Leistung herstellen zu können. Bei einem Frachtschiff wäre das zum Beispiel der (gebunkerte) Vorrat an Dieselöl (Treibstoff). Und bei einem Imbiß oder einem Restaurant wäre das zum Beispiel der Vorrat an Frittierfett.
Unter unfertigen Waren kann man sich sehr einfach einen Herrenanzug vorstellen, an dem noch die Jackenärmel fehlen. Die Schneiderei hat also noch weitere Handgriffe zu tun, bevor dieser Anzug in den Verkauf kommen kann. Auch werden zum Beispiel bei einem Kraftfahrzeughersteller oder Maschinenbau-Unternehmer am Bilanzstichtag nicht alle Produkte fertiggestellt sein, sondern einige Waren nur teilweise fertig sein. Hier gilt es den Prozentsatz zu ermitteln, bis zu dem das Produkt am Bilanzstichtag hergestellt ist.
Unfertige Leistungen sind üblicherweise Dienstleistungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Ein Malereibetrieb könnte solche unfertigen Leistungen in seiner Bilanz haben, wenn zum Beispiel von 10 zu renovierenden Zimmern am Bilanzstichtag nur 8 fertig sind. Auch könnte (oder sogar sollte) das Beratungsunternehmen die noch nicht fertiggestellten Arbeiten bewerten und gegebenenfalls als unfertige Leistungen in die Bilanz übernehmen.
"Fertige" Waren im Vorratsvermögen sind die Produkte des Unternehmens, die in der vorliegenden Form - ohne weitere Handgriffe - (außer vielleicht der Verpackung) an die Kunden abgegeben werden können. Bei den (fertigen) Waren - oder im Handelsunternehmen "Handelsware" genannt - steht der Einkaufspreis oder der Einstandspreis fest, so dass es nach der Zählung der vorhandenen Bestände hauptsächlich auf die Bewertung ankommt. Hier sind immer die Fragen zu stellen:
 
Ist dieser Gegenstand noch verkaufbar? Ist dieser Gegenstand zu dem kalkulierten Preis noch verkaufbar? Ist eventuell die Saison oder die Mode für diesen Gegenstand abgelaufen? Ist der Markt weggefallen für dieses Produkt (z.B. Ölheizungen oder Diesel-Pkw)?
Unter "schwimmender Ware" versteht man Produkte oder Gegenstände und auch Rohstoffe, die sich zwar im Eigentum des Unternehmens befinden, aber am Bilanzstichtag nicht im Lager des Unternehmens liegen. Als Beispiel können hier die Mobiltelefone dienen, die zwar dem Telefonunternehmen schon gehören, aber noch auf dem Weg von Fernost nach Deutschland im Bauch eines Frachtschiffes liegen. Ob hier auch Dienstleistungen, die noch nicht endgültig "abgeliefert" wurden zu erfassen sind, ist im Einzelfall zu überprüfen.
 
F A Z I T
 
 
Insgesamt ist zu beachten, dass
 
je höher der Vorrats- und Warenbestand ist, je höher ist auch der Gewinn und desto höher ist auch die Steuerlast
 
und/oder
 
je höher der Vorrats- und Warenbestand ist, je höher ist auch der Gewinn und desto besser kann das Rating bei der Bank ausfallen.
 
Insgesamt sollte hier dennoch mit Planung und auch Steuerberatung vorgegangen werden, damit nicht gute Ziele durch übereilte Entscheidungen für und in der Zukunft Schwierigkeiten verursachen.
 
 
 
Beachten Sie  bitte den Rechtsstand dieses Textes:  31. Dezember 2019.
 
Bevor Sie also Handlungen oder Gestaltungen mit steuerlichen Auswirkungen vornehmen, muss zur Sicherheit erst geklärt werden, ob sich die Rahmenbedingungen durch Gesetzgebung oder Rechtsprechung geändert haben.
 
Zudem geben wir zu bedenken, dass wir in dem vorstehenden Text nur einige unserer Gedanken niedergeschrieben haben, die weder umfassend noch abschließend die Thematik für jeden speziellen Einzelfall besprechen. Ob weitere Vorschriften zu berücksichtigen sind oder es zu Ihrem eigenen Sachverhalt zusätzliche Möglichkeiten gibt, darf nicht pauschal beantwortet werden, sondern sollte unter Berücksichtigung Ihrer Lebenssituation und Ihres Umfeldes genau beleuchtet werden.
 
Sofern Sie hierzu Fragen haben oder Beratung wünschen, sprechen Sie uns gerne an oder klären Sie die Fragen in einem unserer nächsten Beratungstermine.
 
Unsere Telefonnummer zur Terminvereinbarung und unser Online-Anfrageformular finden Sie in unseren Kontaktdaten zusammen mit einer Beschreibung der Anfahrt.
 
 
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Ihre
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