Gewerbesteuer

Kann man Gewerbesteuer mindern?  Mit oder durch den Gewerbesteuer-Hebesatz ?

Gedanken am 12.09.2019 vom Counselor Ralph J. Schnaars, Steuerberater

 
Gewerbesteuer Gemeindesteuer
 
Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer, die sämtliche Gewerbebetriebe zu entrichten haben, das heißt Handelsunternehmen, Dienstleister, die nicht Freiberufler sind, Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften, soweit sie gewerblich tätig sind.
Die Gemeinde bezahlt damit Teile der Infrastruktur und auch den Stadtpark und das Schwimmbad.
 
Die Gewerbesteuer richtet sich nach dem Gewinn des Unternehmens, welcher durch Hinzurechnungen und Kürzungen zum gewerbesteuerlichen Messbetrag wird.
 
Auf diesen gewerbesteuerlichen Messbetrag, der jeweils vom Finanzamt des Unternehmens festgestellt wird, erhebt die Gemeinde mit ihrem gemeindeeigenen Hebesatz die Gewerbesteuer.
 
Es kann hier also sinnvoll sein, über den Standort eines Unternehmens nachzudenken, da die Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden im Hebesatz der Gewerbesteuer doch erheblich sein können.
 
Der Gewinn des Unternehmens, der mit den einkommensteuerlichen und körperschaftsteuerlichen Vorschriften ermittelt wurde, wird um die Hinzurechnungen erhöht. Hinzurechnungen sind im Wesentlichen die Zinszahlungen für Dauerschulden und zusätzlich die gezahlten Mieten und Leasinggebühren. Auch erhöht ein Verlustanteil aus einer Beteiligungsgesellschaft den gewerbesteuerlichen Gewerbeertrag. An Kürzungen sind im Wesentlichen nur die Gewinne aus Beteiligungsgesellschaften und für Unternehmen, die ein Betriebsgrundstück ihr Eigentum nennen, die Grundstückskürzung zu berechnen.
 
Sobald das Finanzamt die Ertragsteuern veranlagt hat, wird der Gemeinde mit Steuermessbescheid der sogenannte Steuermessbetrag mitgeteilt und die Gemeinde erhebt die Gewerbesteuer, in dem sie einen Gewerbesteuerbescheid dem Unternehmen zukommen lässt.
 
Die Gewerbesteuer selbst, ist nicht mehr als Betriebsausgabe absetzbar, sodass es sich hier um eine direkte Belastung des Gewinnes handelt.
 
Bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen ist die gezahlte Gewerbesteuer allerdings nahezu vollständig auf die Einkommensteuer der Gesellschafter bzw. des Einzelunternehmers anzurechnen. Die Anrechnung erfolgt nicht immer mit 100% der gezahlten Gewerbesteuer, sondern man verliert in etwa 2 bis 4% des gezahlten Betrages, durch verschiedene Umrechnungen und Höchstgrenzen.
 
Interessant ist in diesem Bereich die Überlegung, ob es sich um einen Gewerbebetrieb handelt, der gewerbesteuerpflichtig ist oder ob es ein Unternehmen ist, welches Leistungen eines Freiberuflers erbringt, die von der Gewerbesteuer befreit sind.
 
Beispiel
Steuerberater sind Freiberufler, genau wie Ärzte und Zahnärzte und sind somit von der Gewerbesteuer befreit. Steuerberatungsgesellschaften hingegen, sind durch ihre Gesellschaftsform nicht von der Gewerbesteuer befreit, sondern müssen, genau wie alle anderen Kapitalgesellschaften ihre gewerblichen Einkünfte erklären.
 
Die Gewerbesteuer ist die erste Steuer, an die man denken sollte, wenn man eine Bilanz erstellt und wenn man einen Jahresabschluss fertigt und darauf aufbauend die Steuern erklärt.
 
Die Gewerbesteuer kann, je nach Hebesatz der Gemeinde, schnell mehr als 20% des Gewinnes des Unternehmens ausmachen, so dass sich hier eine Überlegung wirklich lohnt.
 
Merksatz hierzu:
 
Gesparte Steuern sind steuerfrei verdientes Geld.
 
Ob sich durch die Gestaltung der Gesellschaftsform oder die Gestaltung verschiedener Betriebsabläufe, Gewerbesteuern senken bzw. sparen lassen, muss im Einzelfall überlegt und ausgerechnet werden.
 
Ein Bäckereibetrieb mit einer Filiale hat einen festen Standort und wird sich schwer tun, diesen Standort nur für Zwecke der Gewerbesteuerersparnis zu verlegen. Hier kommen aber andere Möglichkeiten in Betracht, zum Beispiel den gewerblichen Gewinn dahingehend zu gestalten, dass Betriebsausgaben diesen Gewinn senken.
 
Zu denken ist in erster Linie an Gehälter für die Geschäftsführung und die Gesellschafter-Geschäftsführer, die als Betriebsausgabe den Gewinn des Unternehmens entsprechend mindern können. Auch sind hier vereinbarte Tantiemen oder die Gestellung von Kraftfahrzeugen oder ähnliche Dinge hilfreich, um den gewerblichen Gewinn zu senken.
 
Im Einzelfall muss allerdings überlegt werden, ob sich ein solcher Aufwand im Betriebsablauf rentiert und die Gewerbesteuerersparnis mögliche Mehraufwendungen abdeckt.
 
Und auch, ist zu überlegen oder sogar zu vermeiden, durch eine Gesellschaftskonstruktion eine Betriebsaufspaltung zu bilden, in der es ein Besitzunternehmen und eine Betriebsgesellschaft gibt, da beide Unternehmen (einer Betriebsaufspaltung) in der steuerlichen Betrachtung, als ein Unternehmen angesehen werden und somit die Gewerbesteuerersparnis nicht mehr gegeben ist.
 
Hier sollte man vernünftig und auch ausgiebig überlegen, in welcher Form eine Gesellschafterzusammensetzung und Gesellschaftskonstruktion auch letztendlich die Steuerersparnis erbringt, die man sich davon versprochen hat.
 
Die Gewerbesteuererklärung selbst, ist eigentlich nur ein kleines Abfallprodukt neben der Einkommensteuer- bzw. Körperschaftsteuererklärung. Allerdings sollte man nicht die Möglichkeiten bzw. auch Nachteile unterschätzen, die durch die zu berechnenden Hinzurechnungen und Kürzungen, die nur für die Gewerbesteuer gelten, geschehen können.
 
Die Zahlungsfristen für die Gewerbesteuer und auch die Vorauszahlungstermine, siehe auch unseren Steuer-Terminkalender, sind vergleichbar mit den Vorauszahlungen zur Einkommen- und Körperschaftsteuer, so dass insgesamt die Steuerbelastung des Unternehmens bzw. des Unternehmers betrachtet werden sollte.
 
Der Gesetzgeber hatte irgendwann die Vorstellung, die Steuersätze für gewerbliche Unternehmer und speziell auch für Kapitalgesellschaften auf einen Steuersatz von unter 30% zu begrenzen. Unseres Erachtens ist dieses für den Einzelunternehmer und auch die Personengesellschaft nicht gelungen und auch wenn man Kapitalgesellschaften betrachtet, die zwar weniger als 30% Steuerbelastung haben, solange sie den Gewinn nicht ausschütten, erhöht sich die Steuerbelastung sofort, sobald die Kapitalgesellschaft das Geld an die Gesellschafter weitergibt.
 
Inwieweit zur Gewerbesteuervermeidung Planungen und Organisationen möglich sind, zeigen verschiedene Vorschriften über die Zerlegung der Gewerbesteuer zwischen verschiedenen Gemeinden.
Wenn das Unternehmen mehrere Niederlassungen oder Verkaufsstellen hat, bekommt jede Gemeinde einen Anteil an dem Gewerbesteueraufkommen. Es ist eine sogenannte „Zerlegung“ durchzuführen.
 
So haben wir in einer gewerbesteuerlich attraktiven Gemeinde mit einem niedrigen Gewerbesteuerhebesatz die Geschäftsleitung mit sehr hohen Personalkosten angesiedelt, den Produktionsbetrieb und den Verkauf haben wir aber in einer anderen Gemeinde installiert, dort wo nämlich das Geschäft wirklich abläuft, und durch die Gewerbesteuerzerlegung haben wir auf die Geschäftsleitungsvergütungen, durch den niedrigeren Gewerbesteuerhebesatz, doch ansehnliche Steuerersparnisse erzielen können.
 
Dass Gestaltungen oft vom Finanzamt, als unglaubhaft angesehen werden, passiert speziell auch im Bereich der Gewerbesteuer. So sollte man unbedingt ausgiebig überlegen, wie und ob man zur Gewerbesteuerersparnis wackelige Steuerkonstruktionen baut oder ob man sich am täglichen Geschäft und am täglichen Ablauf im Unternehmen orientiert und dieses in ein Steuermodell gießt, welches wirklich Gewerbesteuern spart.
 
 
Für Kapitalgesellschaften ist die Gewerbesteuer eine Betriebsausgabe, die steuerlich zwar nicht absetzbar ist, aber den „wirklichen“ Gewinn des Unternehmens massiv mindert. Auch hier ist eine Überlegung zur Standortwahl, soweit möglich, immer anzuraten.
 
 
Beachten Sie  bitte den Rechtsstand dieses Textes:  12.09.2019.
 
Bevor Sie also Handlungen oder Gestaltungen mit steuerlichen Auswirkungen vornehmen, muss zur Sicherheit erst geklärt werden, ob sich die Rahmenbedingungen durch Gesetzgebung oder Rechtsprechung geändert haben.
 
Zudem geben wir zu bedenken, dass wir in dem vorstehenden Text nur einige unserer Gedanken niedergeschrieben haben, die weder umfassend noch abschließend die Thematik für jeden speziellen Einzelfall besprechen. Ob weitere Vorschriften zu berücksichtigen sind oder es zu Ihrem eigenen Sachverhalt zusätzliche Möglichkeiten gibt, darf nicht pauschal beantwortet werden, sondern sollte unter Berücksichtigung Ihrer Lebenssituation und Ihres Umfeldes genau beleuchtet werden.
 
Sofern Sie hierzu Fragen haben, sprechen Sie uns gerne an oder klären Sie die Fragen in einem unserer nächsten Beratungstermine.
 
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Kinder und Steuern

Einkommensteuer + Erbschaftsteuer

Gedanken der COUNSELOR, Norderstedt

 
Wenige Gedanken und Überlegungen zu dem Zusammenspiel von Steuern und Kindern, lesen Sie gerne in unserem Artikel "Mit Kindern Steuern sparen".
 
Hierzu passen auch unsere Überlegungen im Artikel "Ist ein Testament sinnvoll".

Grundlagen der GmbH

Anforderungen an GmbH-Gründung

Hinweise vom Counselor, Steuerberater

 
Die Rechtsform der GmbH wird in Deutschland sehr häufig gewählt, um die Haftung der Gesellschafter auszuschliessen, aber auch um steuerliche Vorteile zu ermöglichen.
 
Die Körperschaftsteuer ist meistens geringer, als die Einkommensteuer und das Geschäftsführer-Gehalt ist auch in der Gewerbesteuer absetzbar.
 
Die Voraussetzungen für die Gründung einer GmbH und weitere Hinweise lesen Sie auf unserer Seite "Grundlagen einer GmbH".

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Wenn man einen Vertrag an vier unterschiedlichen Stellen unterzeichnen soll, ist man zeitgleich auch vier verschiedene Personen.
 
Der GmbH-Gesellschafter,
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und
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Wenn die Buchhaltung sortiert ist, findet man Unterlagen schneller und besser und die Kosten beim Steuerberater sinken.
 
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