Kostenstellen - sinnvoll oder nicht?

Soll ich eine Kostenstellen-Buchhaltung einrichten?

Gedanken am 31.08.2019 von Counselor Ralph J. Schnaars, Steuerberater

Kostenstellen sinnvoll oder nicht
 
In eine Buchhaltung kann man auch eine Kostenstellen-Buchhaltung integrieren, die die Auswertungen für den Unternehmer noch einmal interessanter und aussagekräftiger macht.
 
Vorzustellen, haben wir uns das Volkswagenwerk mit den Produktionslinien VW Golf und VW Passat.
 
In unserem Beispiel sind also der Golf und der Passat jeweils eine Kostenstelle.
 
Zu diesen Positionen, zu diesen Kostenstellen, werden nun alle Einnahmen, alle Erträge, alle Ausgaben und alle Aufwendungen zusammengefasst, so dass man je Kostenstelle, in diesem Beispiel entweder Golf oder Passat, feststellen kann, wie viel Gewinn, wie viel Umsatz, wie viele Kosten und wie viele, einzelne Positionen im Bereich Kosten und Betriebsausgaben für das einzelne Produkt entstanden sind.
 
Zum Beispiel könnte man diese Kostenstellenrechnung auch dafür benutzen, festzustellen wie viel Personalkosten der Golf hat, im Verhältnis zu den Personalkosten des Passats, oder man geht weiter und kalkuliert mit den Kostenstellen auch noch nicht angefallene Positionen, z.B. bei den beiden Kraftfahrzeugen die Entwicklungsaufwendungen, die Forschungsaufwendungen, die Kosten für Reparaturen bzw. Rückrufe oder auch Gewährleistungsaufwendungen, die sonst nur in einer Position im Unternehmen zusammengefasst zu erkennen sind.
 
Man hätte hier, je nachdem, wann die Buchhaltung erstellt wird, monatlich, wöchentlich oder sogar täglich, eine Übersicht in welche Richtung die einzelne Produktionslinie sich entwickelt.
 
Man kann eine Kostenstellen-Buchhaltung natürlich auch in anderen Branchen benutzen; der Kraftfahrzeughersteller war hier nur ein Beispiel.
 
Angenommen wir haben ein Handelshaus, mit immer neuen Artikeln, die neu eingekauft werden, die einzeln verkauft werden; so könnte man je Artikel eine Gewinnermittlung vornehmen, ohne dass es zusätzlicher Aufzeichnungen oder zusätzlicher Maßnahmen bedarf.
 
Das einzige, was für eine sinnvolle Kostenstellen-Buchhaltung nötig ist, ist die korrekte Kostenstellenzuordnung des normalen Finanzbuchhaltungsbelegs und eben nicht nur die Verbuchung über die normalen Firmen-Finanzkonten, sondern auch die Verbuchung im Bereich Kostenstellen-Buchhaltung, was in der Regel mit der heutigen Software in einem Arbeitsschritt passiert.
 
 
Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Immobilienhändler, der eine Immobilie ankauft und diese eine Immobilie verkauft.
In diesem Fall ist die Gewinnermittlung für diese einzelne Immobilie sehr einfach, da es eben nur einen Einkauf und einen Verkauf gibt. Alle weiteren Kosten des Unternehmens können also auch nur diesen einen Umsatz betreffen und man hat ganz einfach den Gewinn aus diesem einen Objekt.
 
 
Sollte das Unternehmen allerdings mehrere Objekte an- und verkaufen oder sollte das Unternehmen sogar sehr viele Immobilien an- und verkaufen wird es schon etwas unübersichtlich, wird es schon etwas schwieriger- für das einzelne Objekt festzustellen, ob alle Kosten erfasst wurden, ob alle Risiken diesem Objekt zugeordnet werden konnten und wie eigentlich der Stand des Gewinnes bei diesem Objekt ist.
 
 
Sofern es mehrere Produkte gibt, die einen Einkauf, eine Weiterbearbeitung und auch einen Verkauf haben, ist es sinnvoll, eine Kostenstellenbuchhaltung einzurichten. Der Unternehmer kann dann immer nachverfolgen, wie sich die Gewinne der einzelnen Produkte entwickeln und gegebenenfalls das Produkt aus dem Sortiment nehmen, wenn sich über längere Zeit gezeigt hat, dass bei dieser Kostenstelle keine Gewinne mehr erzielt werden.
 
Da im Rahmen einer Kostenstellen-Buchhaltung nicht nur der Verkauf und der Ursprungseinkauf zu dem Produkt notiert werden, sondern auch alle Neben- und Gemeinkosten, kommt es sogar vor, dass die Kostenstellen-Buchhaltung das Bauchgefühl des Unternehmers Lügen straft.
 
Beispiel:
 
Einkaufpreis der Ware 100.000 Euro. Verkaufspreis 200.000 Euro.
 
Das Bauchgefühl sagt, „Klasse Geschäft, 100.000 Euro Gewinn.“
 
Die Kostenstellen-Buchhaltung sagt, „Wareneinkauf 100.000 Euro, Provisionszahlungen 15.000 Euro, Zeitungsanzeigen und Werbekosten 7.000 Euro, Fracht- und andere Nebenkosten 9.000 Euro, Aufbereitungskosten  60 Arbeitsstunden der Mitarbeiter (60 x 50 Euro =) 3.000 Euro, Garantieaufwendungen 12.000 Euro und sonstige Kosten, wie Reise-, Kraftfahrzeug-, Telefon- und Bürokosten mit 19.000 Euro, ergibt einen Gewinn aus diesem Geschäft in Höhe von 35.000 Euro“
 
Das Bauchgefühl freute sich über 50 Prozent Gewinn, die Kostenstellen-Buchhaltung zeigte einen Gewinn von 17,5 Prozent bei diesem Geschäft.
 
 
Ob es in Ihrem Unternehmen sinnvoll ist, eine Kostenstellen-Buchhaltung zu integrieren, darf überlegt werden.
 
Solange Provisionen oder Teilgewinne, abhängig von einzelnen Produkten gezahlt werden, ist eine Kostenstellen-Buchhaltung unumgänglich, da sonst die angestrebte Verteilung des Gewinnes nicht mehr den wahren Gegebenheiten entspricht.
 
 
In diesem Zusammenhang ist auch unser Beitrag "Buchhaltungsabläufe" interessant.
Lesen Sie gerne weitere Gedanken zu diesem Thema auf der Seite
 
 
Beachten Sie  bitte den Rechtsstand dieses Textes:  31.08.2019.
 
Zudem geben wir zu bedenken, dass wir in dem vorstehenden Text nur einige unserer Gedanken niedergeschrieben haben, die weder umfassend noch abschließend die Thematik für jeden speziellen Einzelfall besprechen. Ob weitere Vorschriften oder Möglichkeiten für eine Kostenstellen-Buchhaltung zu berücksichtigen sind oder es zu Ihrem eigenen Sachverhalt zusätzliche Möglichkeiten gibt, darf nicht pauschal beantwortet werden, sondern sollte unter Berücksichtigung Ihrer Lebenssituation und Ihres Umfeldes genau beleuchtet werden.
 
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